Erlaufen Sie die Elemente der Wasserstoffökonomie

Auf dem EUREF-Campus können Sie die Wasserstoffökonomie kennenlernen und an verschiedenen Stationen die einzelnen Bestandteile des Energiesystems der Zukunft erleben: 

 

Wasserstoff-Ausstellung

2016 ist das Eröffnungsjahr unserer Erklärzentrale für Energie- und Mobilität „New Energy Platform“. Im Rahmen dieser Ausstellung wird dem Energieträger Wasserstoff eine besondere Bedeutung zukommen. Auf der Plattform im InnoZ lassen sich die Zusammenhänge zwischen den Sektoren Strom, Wärme und Mobilität hautnah und real erleben. Zum Beispiel zeigen wir Ihnen hier wie Elektrolyseur, Wasserstofftankstelle und –fahrzeug zusammenspielen, aber auch welche Rolle der Wasserstoffwirtschaft in großen und kleinen Stromnetzen zukommt. Sich ergänzende Technologien wie Lithium-Ionen-Speicher, Bleispeicher, regenerative Energien oder ein Superkondensator sind hier installiert und in Betrieb. Im Rahmen der Ausstellung wird die zukünftige Rolle der Wasserstoffwirtschaft in einem zunehmend zusammenwachsenden und gleichzeitig sich dezentralisierenden Energiemarkt aufgezeigt.

 

Wasserstoff- & Elektromobilität sowie Carsharing

Wasserstoffmobilität ist Teil der Elektromobilität. Auch hier sorgt wie beim batterieelektrischen Elektroauto ein Elektromotor für den Vortrieb. Statt Lithium-Ionen-Akkus findet man im Auto einen Wasserstofftank und eine Brennstoffzelle. Der Systemwirkungsgrad eines Brennstoffzellenautos liegt bei ca. 50%, wobei kontinuierlich Fortschritte in diesem Bereich erzielt werden. Aktuell haben zahlreiche Autohersteller die Markteinführung von wasserstoffbetriebenen Serienmodellen angekündigt. Anfang 2016 waren in Deutschland drei Modelle am Markt. Zum Beispiel bietet Toyota seit September 2015 den Mirai an. Dieser kann mit seinen Tanks für 5 kg Wasserstoff bis zu 500 km weit fahren. Wasserstoff ist somit Elektromobilität für die Langstrecke und den Alltag. 1 kg Wasserstoff kostet in Deutschland aktuell ca. 10 € und reicht je nach Modell und Fahrweise für grob 100 km. Aktuell sind noch wenige Wasserstoff-Tankstellen in Deutschland verfügbar, aber viele weitere Standorte werden bereits vorbereitet – 200m weiter am Sachsendamm steht seit 2011 eine der ersten Tankstellen. Hier kann unter Hochdruck (700 bar) reiner Wasserstoff getankt werden. Neben dem Mirai von Toyota kann man auch bereits Hyundais ix35 kaufen. Ab Mitte 2016 soll der Honda Clarity in Europa erhältlich sein. Auch deutsche Hersteller haben in der Vergangenheit bereits mit Kleinserien experimentiert. So wird auf dem EUREF-Campus z.B. ein Mercedes-Benz F-Cell (B-Klasse) durch die TU-Campus EUREF gGmbH genutzt. Alle großen deutschen Hersteller haben für die Zukunft Wasserstoff-Modelle angekündigt.

Die Preise für diese Fahrzeuge sind aktuell eher hoch und liegen zwischen 60.000 und 80.000 €. Aufgrund hoher staatlicher Förderungen sind die meisten FCEV (Fuel Cell Electric Vehicles) vorerst in Japan und Kalifornien zu finden. Hoffentlich sehen wir auch im Laufe des Jahres 2016 Brennstoffzellenfahrzeuge häufiger auf der Carsharing-Station auf dem EUREF-Campus. Zu zentralen Events wollen wir Probefahrten mit aktuell erhältlichen Modellen anbieten. Für eine Testfahrt in einem Wasserstofffahrzeug empfehlen wir auch die Nutzung von Bussen des öffentlichen Nahverkehrs – in Hamburg lässt sich z.B. Wasserstoffmobilität täglich erkunden.

  

Wasserstoff-Tankstelle

Die Wasserstofftankstelle am Sachsendamm ist eine von fünf Berliner Wasserstofftankstellen. Deutschlandweit gibt es bislang 16 Tankstellen (Stand: Januar 2016). Shell betreibt am Sachsendamm seit 2011 seine erste Tankstelle dieser Art. PKW und Busse können dort die Technik des deutschen Herstellers Linde zum Tanken nutzen. Hier ist gasförmiger Wasserstoff mit 350 und 700 bar erhältlich. Nutzer müssen dafür an einer kurzen Schulung teilnehmen und benötigen für den ca. 3-minütigen Tankvorgang eine Identifikationskarte. Bis zu 250 PKW-Betankungen sind täglich möglich. Damit ist es die größte Wasserstofftankstelle Berlins. Aktuell werden aber deutlich weniger Fahrzeuge betankt. Neben Linde ist v.a. auch AirLiquide beim Aufbau eines Wasserstofftankstellen-Netzes aktiv. Der hier verwendete Wasserstoff stammt aus der Linde-Pilotanlage in Leuna, die auf Basis von Rohglycerin arbeitet. Die Tankstelle wurde im Rahmen der "Clean Energy Partnership" (CEP) errichtet. Diese koordiniert und fördert den Aufbau einer deutschlandweiten Infrastruktur. Bis Ende 2016 sollen in Deutschland 50 Stationen gebaut sein. Bis 2023 sollen 400 Tankstellen entstehen.

 

Gasspeicher & -Infrastruktur

Der Gasometer Schöneberg wurde früher industriell als Niedrigdruckbehälter genutzt und 1995 außer Betrieb genommen. Das seit 1994 denkmalgeschützte und 78 Meter hohe Industriegebäude gilt als Landmarke und markantes Wahrzeichen Schönebergs. 

Der Gasometer wurde von der Berlin-Anhaltischen Maschinenbau AG (BAMAG) als Industriebau zwischen 1908 und 1910 errichtet und war zum Zeitpunkt seiner Errichtung mit seinem Füllvolumen einer der drei größten Gasbehälter Europas. Er wurde nach dem Typus eines Teleskopgasbehälters konstruiert. Demzufolge wurde das Stadtgas in einer ausfahrbaren Glocke gespeichert, die aus mehreren teleskopartig ineinander geschachtelten Stahlelementen, sogenannten „Wassertassen“, bestand und in ein Wasserbassin eingelassen war. So konnte der Gasbehälter mit seiner maximalen Speicherkapazität 160.000 m³ Gas speichern, das für den Haushaltsgebrauch und die Straßenbeleuchtung genutzt wurde. Heute wird der Gasometer als Event-Location bedient.

In Zukunft wird der Wasserstoff zum Beispiel durch die Elektrolyse auf Basis Erneuerbarer Energieträger hergestellt. Wie das funktioniert hat die CEP bereits unterhaltsam erklärt:

 

Schaltzentrale historische Gaswirtschaft

Im historischen Messelbau (1891 fertiggestellt) wurde in der Anfangszeit Rohr- bzw. Stadtgas erzeugt. Stadtgas besteht zu großen Anteilen aus Wasserstoff. Außerdem fanden sich je nach Region auch Methan, Stickstoff, Kohlenmonoxid, Kohlendioxid, Sauerstoff und weitere Kohlenwasserstoffe im Gas wieder. Die Beschriftungen der Schaltzentrale im ersten Stock des Messelbaus zeugen noch heute von dieser Zusammensetzung. In West-Berlin wurde aus Gründen der Versorgungssicherheit bis zur Wiedervereinigung vor allem auf Stadtgas gesetzt. Erst 1996 wurden die letzten Verbraucher auf Erdgas umgestellt.  Heute wird Stadtgas in Deutschland aufgrund der geringeren Umweltbelastung und des niedrigeren Preises durch Erdgas ersetzt. Stadtgas wurde durch Entgasen von Steinkohle unter Luftabschluss in Retorten oder Kammeröfen hergestellt. Daher heißt der Messelbau auch Retortenhaus.

Bis 1892/93 wurde hier ein Treibhaus errichtet, in dem Ananaspflanzen gezüchtet wurden. Dafür wurde die vorhandene Abwärme genutzt. Die Wasserstoffökonomie trug hier ganz besondere Blüten.

 

Kleinwindkraft

Ein vertikales Kleinwindrad leistet auf dem EUREF-Campus 1 kW-Nennleistung, d.h. bei kräftigem Wind könnte z.B. ein BMW i3 an einem Tag vollgeladen werden (Batterie 21,6 kWh). Auf dem EUREF-Campus befinden sich sechs installierte vertikale Kleinwindräder in Helix-Form. Der Strom wird im Micro-Smart-Grid auf dem Campus verbraucht. In Zukunft könnte er potentiell auch für die Erzeugung von Wasserstoff genutzt werden. Dazu würde ein Elektrolyseur angeschlossen werden, der unter Einsatz von Strom Wasser in seine Bestandteile zerlegt. Damit Wasserstoff ein Baustein der Energie- und Verkehrswende wird, muss er grün erzeugt werden, also mit erneuerbaren Energietechnologien wie dem Kleinwindrad auf dem EUREF-Campus.

 

Photovoltaik-Anlage

Neben der Kleinwindanlage gibt es auf dem EUREF-Campus auch andere grüne Stromproduzenten, wie die zahlreichen Solarstromanlagen. Diese befinden sich auf der Green Garage, der Grey Garage, dem Solarcarport, und den Häusern 6/7. Die Solarstromanlagen liefern deutlich mehr Strom als die Kleinwindräder auf dem Campus und könnten somit ein Grundstein für eine zukünftige grüne Wasserstoffökonomie sein.

 

Biogas-Blockheizkraftwerk

Unser Blockheizkraftwerk ist ein kleines Kraftwerk, welches elektrische Energie und Wärme über den Prozess der Kraft-Wärme-Kopplung produziert. Diese Anlagen gelten als besonders effizient und als gute Ergänzung zu schwankenden Energieproduzenten wie Sonne oder Wind. Als Grundstoff kommt auf dem Campus Biogas zum Einsatz. Das Kraftwerk wird seit 2014 zusehends erweitert. In der letzten Ausbaustufe 2018 werden hier jährlich ca. 12.000 Megawattstunden Wärme produziert, um die umliegenden Häuser zu versorgen. Darüber hinaus sollen aber auch zugleich 7.000 Megawattstunden regenerativer Strom erzeugt werden, der wenn er nicht hier genutzt auch in das öffentliche Netz eingespeist wird. Das Kraftwerk liefert einen großen Beitrag dazu, dass schon heute auf dem EUREF-Gelände die Ziele der Bundesregierung für 2030/2050 erreicht werden: Den Anteil regenerativer Energien auf 50 Prozent des Bruttostromverbrauchs bis zum Jahr 2030 zu erhöhen und die Treibhausgase bis zum Jahr 2050 um 80 bis 95 Prozent zu senken.

 

Besuchen Sie gern ergänzend oder alternativ unsere Wasserstoff-Ausstellung in Berlin-Schöneberg (EUREF-Campus). Mehr Informationen

Wir begrüßen auch gerne internationale Gäste, nähere Informationen auf Englisch finden Sie hier. 

 

Wo: Innovationszentrum für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel, Torgauer Straße 10829 Berlin Schöneberg

 

Gern gestalten wir den Rundgang auch nach Ihren Wünschen.

Für weitere Informationen und Terminabsprachen melden Sie sich bei Enrico Howe: 

Email:         enrico.howe@innoz.de

Telefon:      030-238884-211